martin dessecker

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detail kommen und gehen 2007 115x147cm 
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Pappcomics - Malerei zwischen den Zeilen

Sehr früh fühlte ich mich eingesperrt in dem flachen, rechteckigen Format des Tafelbildes. Ich wollte die Malerei zerlegen in ihre Bestandteile, die Fläche auflösen. Bilder aber sollten weiterhin entstehen.

Die einzelnen Elemente werden voneinander getrennt, die Bezüge bleiben erhalten. Zuerst gab es Objekte aus unterschiedlichen Materialien - Gips, Gummi, Holz, Draht, Polster, Pappe, aber immer liegt eine Zeichnung oder eine malerische Idee zugrunde.

Dann der erste Pappcomic. Ich muss das Gewusel der Bildfetzen auf der Wand bändigen. Rahmen aus schwarzem Wollgarn helfen etwas - das krude System einer ersten Ordnung gelingt. Die bemalten Pappformen, auf einen Draht geklebt, stecken in der Wand und suchen Nachbarn zum Dialog.

So funktioniert doch ein Bild.

Nicht nur das, es kann mehr: die Einzelteile werfen Schatten, sie stehen von der Wand ab, etwa 5 cm. Das ergibt ein zweites Bild, die Perspektive verändert sich beim Vorbeilaufen, sobald das Licht wechselt – eine neue Anordnung. Bewegung.

Balance halten und beobachten. Wie weit kann ich gehen, bis das Ganze ins Einzelne zerfällt? Ich lerne den Umgang mit den Fragmenten, werde mutiger, erfinde und entdecke neue Kombinationen.

Jedes Bild ein kleiner Kosmos - eigene Regeln, eigene Fragen. Immer wieder aufs Neue anfangen. Themen tauchen auf, finden den Weg nach oben, verschwinden und kehren wieder. Als ob man an einem endlosen Faden zöge. Ein Kinderspiel.

Eintauchen, ganz nah ran, sich verlieren im Gestrüpp der Drahtstifte. So sehe ich das beim Machen. Die Punkte müssen gefunden werden einer nach dem anderen. Jede Form, egal ob abstrakt oder figürlich, sucht ihren Platz im Gefüge und muss sich dort behaupten.

Die Versuchsanordnungen im Atelier sind wie Begleiter. Um mich herum weilen die immer wieder neuen Geschichten, die von einer fremden Welt erzählen. Ich versuche sie festzuhalten.

Über einen Zeitraum von Jahren habe ich gelernt, mit ihnen zu operieren. Sie umschreiben einen Raum, der sich wie mit einer Aura von der Umgebung abgrenzt. Und gleichzeitig entwickeln sie einen Magnetismus, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Pur sollen sie sein, die Bilder, die Bestandteile klar definiert und so zugeordnet, dass sie lesbar bleiben - auch zwischen den Zeilen.